Von Kellenhusen nach St. Laurentius in Itzehoe

Wer Kirchen liebt, der sollte einmal com Ostseebad Kellenhusen aus einen Ausflug nach Itzehoe wagen, um die Kirche St. Laurentius zu besuchen. Es lohnt sich!

Die ev. Kirche St. Laurentius wurde erstmals 1196 erwähnt, doch sie ist zweifellos älter. Die Kirche wurde 1256 dem Zisterzienserinnenkloster St. Maria unterstellt, 1286 als Geschenk dargeboten.

Der Erstbau der ev. Kirche St. Laurentius wird wohl einschiffig gewesen sein, mit dem Westturm. Er wurde jedoch im 13. Jahrhundert nach Norden zu einer zweischiffigen Hallenkirche ausgebaut. Die Kirche St. Laurentius ist die Grablege der Schauenburgischen Grafen, prächtige Grabmähler der Grafen Rantzau sind dort ebenfalls zu bewundern.

1657 brannte die ev. Kirche Laurentius vollkommen aus. Der provisorische Neubau und die provisorische Neuausstattung erfolgten 1660 bzw. 1661. Die heutige Gestalt von St. Laurentius erfolgte durch den Neubau von 1716 bis 1718.

1894 bis 1896 wurde die Kirche durchgreifend restauriert. Der Kirche St. Laurentius wurde allerdings 1960 bzw. 1962 enormer Schaden zugefügt. Durch die Beseitigung der Empore brachte man den Raum um seine künstlerische Wirkung.

Die St. Laurentius-Kirche ist ein geräumiger, sechsachsiger Wachsstein-Saalbau mit großen Korbbogenfenstern von 1894. Im Norden befindet sich noch der Kreuzgang des Klosters. Ein im Kern spätgotischer Westturm wurde nach den Plänen von J. Otzen aus Berlin ausgebaut, und wurde im Jahre 1894 bis 1896 um ein Glockengeschoß erhöht.

Ein Neurenaissance-Portal aus Sandstein schmückt die Kirche. Der Schnitzaltar wurde 1661 gestiftet. Eine große, durch zwei Säulen, dreiteilige gegliederte Bilderwand mit Praedella zwischen verknorpelten Giebelstiften lassen den Schnitzaltar sehr eindrucksvoll erscheinen.

Auf den Schmuckelementen des Altars wird eine Darstellung des Lebens Christi farbenprächtig hervorgehoben. Szenen, wie die Vertreibung aus dem Paradies, Abrahams Opfer, die Schlange, der Sündenfall, also vier Szenen der Genesis, runden das Bild des Altars ab und beschließen es durch die Himmelfahrt Mariä. Die ursprüngliche Farbigkeit des Altars wurde 1962 wieder hergestellt.

Die Holzkanzel stammt ebenfalls von 1661, ist gut proportioniert mit sparsamem Knorpelwerkdekor. Die Freisäulen verschaffen der Holzkanzel eine besondere Eleganz. Der Orgelprospekt von 1718 ehemals ein Werk von Artur Schnittger befindet sich über der halbrund Äbtisinnenloge im Westen der Kirche.

Das Triumphkreuz, dass sich in der Kirche befindet, stammt wohl ebenfalls aus dem Jahr 1661. Auf der zum ehemaligen Stift gehörigen Äbtissinnenempore befindet sich ein hölzerner Altaraufsatz von 1669 mit gedrehten Säulen und geschnitztem Kreuz vor gemalter Golgatha-Landschaft.

Ein schmiedeeisernes Altargitter stammt aus dem Jahr 1722. Eine hölzerne Taufe aus dem Jahr 1660.

Einige Gruftgewölbe im Ostteil der Kirche wurden 1961 / 1962 der Öffentlichkeit übergeben. Darunter das 1570 von Heinrich Rantzau eingerichtete, mit gemalten Inschrifttafeln. In dem Gruftgewölbe befinden sich einige prunkvolle Metallsärge, die in exemplarischer Weise die Entwicklung der „Sargkunst“ vom zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts bis in die 1760er Jahre zeigen.

Besonders hervorzuheben ist der Kupfersarg der Dorothea Rantzau, die 1647 gestorben ist. Er ist kastenförmig mit teilversilberten gegossenen Messingbeschlägen - Rosetten, Früchtenbündel, Engelköpfe und dem Wappen als Ahnenprobe. Auf dem Deckel befindet sich ein Kruzifix.

Der versilberte Messingsarg des Reichsgrafen Christian zu Rantzau (gestorben 1663) verfügt über versilberte bzw. vergoldete Messingauflagen und sind von besonderer Schönheit. Alle Flächen sind von Blütenbändern umrandet und mit Streublumen geschmückt.

Auf dem Deckel des Sarges von Christian zu Rantzau das Kruzifix, das Wappen und Tugendfiguren. Das adelige Damenstift ehemals Zisterziensernonnenkloster St. Maria wurde um 1230 von Graf Adolf IV. von Schauenburg in Ivenfleth gestiftet, allerdings 1256 vor die Altstadt auf den Geestrand verlegt.

Im Anschluss an die Nordseite der Laurentius-Kirche wurde ein Neubau der Klostergebäude errichtet. Das ehemalige Zisterzienserkloster St. Maria wurde während der Reformation um 1540 in ein adliges Damenstift umgewandelt. Dabei blieb der enorme Grundbesitz ungeschmälert und bildete bis 1936 eine eigene Gemeinde.

Die Klosteranlage brannte 1657 nieder. Erhalten ist nur noch der an die Laurentius-Kirche angelehnte siebenjochige Kreuzgangflügel mit derben Kreuzrippengewölben. Zuletzt 1909 restauriert ist der Kreuzgangflügel nicht genau zu datieren.

An der Nordseite der Kirche und im Kreuzgang findet man mehrere zum Teil verwitterte Äbtissinnenepitaphien. Sie bestehen aus Sandstein. Die Epitaph von Frau Pogwisch von 1599 ist von höherem künstlerischen Wert.

Der Klosterschatz verfügt über eine Brustspange des mittleren 15. Jahrhunderts mit Baldachinfigürchen der Heiligen Ansgar und Sixtus in reich verziertem Vierpassrahmen. Silberne Krumstabkrümme mit Lamm von 1490, einen goldenen Fingerring mit Topaz von Anfang des 16. Jahrhunderts, gestiftet vom Bischof Detlef von Pogwisch.

Die Fachwerkhäuser der Konventualinnen aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert, das Äbtissinnenhaus, sind sehenswert. Im Bereich des adligen Damenstiftes des ehemaligen Zisterziensernonnenklosters St. Maria befindet sich auch ein Denkmal für Prinzessin Juliane von Hessen. Sie war von 1810 bis 1860 Äbtissin.

Um 1230 wurde das St. Jürgen-Stift wahrscheinlich von Graf Adolf IV. von Schauenburg als Aussätzigen-Hospital am Nordostrand von Itzehoe gegründet. Es wurde allerdings erst 1303 urkundlich erwähnt. 1657 wurde das St. Jürgen-Stift eingeäschert, allerdings anschließend neu errichtet. Diese Anlage ist ebenfalls sehr sehenswert.

Kategorien: Sehenswürdigkeiten
17.09.2008